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Normen: DIN, ÖNORM, EN, ISO und Co

Die Klischees sind weithin bekannt: Die Franzosen sind chaotisch aber gleichermaßen romantisch, die Briten sind trinkfest (oder doch zumindest trinklustig) und haben zweifelhafte Essgewohnheiten, und die Deutschen stehen auch nachts auf weiter Flur an roten Ampeln und lieben die Norm.

So ist es bestimmt kein Zufall, dass die für die Wirtschaft unverzichtbare Normung einer Vielzahl von Produkten und Vorgängen ausgerechnet in Deutschland seinen Ursprung fand – mit der Gründung des Normenausschusses der Deutschen Industrie im Dezember 1917 – dicht gefolgt von der Gründung des Ö.N.I.G., des „Österreichischen Normenausschusses für Industrie und Gewerbe“ in 1920.

Wirtschaftlicher Nutzen von Normen

Die Festlegung von Normen und somit die Einigung auf allgemeingültige Abläufe, Maße, Standards und Eigenschaften ist für die Weltwirtschaft unabdingbar. Handel und Produktion weltweit ist nur dann möglich, wenn eindeutige und über Landesgrenzen hinaus gültige Normen gelten.

Der gesamtwirtschaftliche Nutzen dieser Normen wird laut einer Studie des Deutschen Instituts für Normierung (DIN) beispielsweise für Deutschland auf 17 Milliarden Euro im Jahr geschätzt. Dabei profitieren Unternehmen nicht nur durch die Anwendung der Normen, sie können auch aktiv an der Entstehung neuer Normen mitwirken. Bei der Entwicklung neuer Technologien beispielsweise, aber auch in Bereichen wie Arbeitsschutz oder Umweltschutz lässt sich durch den eigenen Input am Normierungsprozess im Austausch mit Expertengruppen ein Wissensvorsprung erarbeiten, der das eigene Unternehmen entscheidend voranbringen kann.

Wie entsteht eine Norm?

Aber wie entsteht eigentlich so eine Norm? ASI steht Austrian Standards Institute (früher: Österreichisches Normungsinstitut) und ist ein gemeinnütziger, unparteiischer Verein zur Festlegung und Herausgabe von österreichischen Normen. Das ASI beschäftigt rund 120 Mitarbeiter und greift auf ein Netzwerk von 4.000 Experten aus Wirtschaft, Forschung, Verbraucher Verwaltung zurück.

Alles beginnt mit einem Antrag auf der Internetseite des ASI.  Jeder dieser Projektideen wird dann externen Experten zur Prüfung vorgelegt: Besteht Interesse, diese Norm zu erarbeiten? Welche Kosten sind zu erwarten und besteht die Bereitschaft, dieses Projekt zu finanzieren?

Dann beginnt die Projektarbeit – ein Komitee aus Experten erarbeitet einen Norm-Vorschlag. Nun wird auch entschieden, ob die Norm landesweit (ÖNORM), europaweit (Europäische Norm: EN) oder gar weltweit (ISO) veröffentlicht wird.

Sie können Einfluss nehmen!

Hat das Experten-Gremium sich auf einen Norm-Entwurf geeinigt, wird dieser veröffentlicht und kann üblicherweise sechs Wochen lang von der Öffentlichkeit kommentiert werden. Jeder eingegangene Standpunkt wird wiederum vom Expertengremium diskutiert und im Zweifel wird die Norm nachgebessert.

Wie eine Norm entsteht

Entstehung einer Norm ÖNORM

Sie interessieren sich für die Entstehung einer Norm? Hier finden Sie dazu ein anschauliches Video!

Über 20.000 Normen österreichweit

Die allererste ÖNORM erschien 1921 und regelte die Herstellung von metrischen Gewinden. Im Jahr 1922 schließlich wurde die bis heute vermutlich bekannteste Norm verabschiedet. Sie regelt die exakten Maße von Papier, Kartons, Plakaten etc…

Nach Angaben des Bürgerserviceportales HELP gelten derzeit rund 23.500 ÖNormen, darunter auch die Europäischen Normen (EN). Die Zahl der weltweit geltenden Normen wird etwas vage auf mehrere Hunderttausend geschätzt. Dabei gibt es sogar eine Norm, die den Begriff Norm regelt! Unter der  EN 45020 findet sich folgender Eintrag: „Dokument, das mit Konsens erstellt und von einer anerkannten Institution angenommen wurde und das für die allgemeine und wiederkehrende Anwendung Regeln, Leitlinien oder Merkmale für Tätigkeiten oder deren Ergebnisse festlegt (…).“

Und das ist nun wirklich irgendwie… typisch deutsch! :-)